Buchengewächse

Stieleiche

Quercus robur

Deutsche Eiche, Sommereiche — der Baum, der einen Menschen überdauert, und der aus einer Eichel wächst, die keine vierzehn Tage trocken liegen darf.

  • 1 Pflanze im Bestand
  • Eicheln sind für Hunde und Pferde giftig
Stieleiche
Pflanze von C:\hris
  • Licht

    Volle Sonne

  • Wasser

    Mäßig

  • Pflege

    Anspruchslos

  • Vermehrung

    Aussaat

  • Beste Zeit

    Herbst

  • Winterhärte

    Winterhart

PORTRÄT

Der Baum, den man nicht für sich pflanzt

Und der einzige in diesem Verzeichnis, bei dem die Vermehrung nicht im Topf endet, sondern an einer Stelle, die für die nächsten dreihundert Jahre feststeht.

Die Stieleiche ist neben der Traubeneiche die häufigere unserer beiden heimischen Eichen und der Baum, der als „Deutsche Eiche" gemeint ist. Sie wird dreissig Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt; ihr Name kommt von den Eicheln, die an einem langen Stiel hängen, während das Blatt beinahe ohne sitzt. Bei der Traubeneiche ist es genau umgekehrt.

Standort

Volle Sonne, viel Platz, tiefgründiger Boden. Sie verträgt schwere, lehmige und zeitweise nasse Böden besser als die Traubeneiche — eine Senke, die im Winter unter Wasser steht, ist für sie kein Ausschluss. Was sie nicht verträgt, ist dauerhafter Schatten: Ein Sämling unter einer geschlossenen Krone wächst ein paar Jahre und gibt dann auf.

Der Abstand zum Haus ist die Entscheidung, die man nicht zurücknehmen kann. Eine freistehende Eiche wird mit den Jahrzehnten so breit wie hoch; was heute ein Stab im Rasen ist, beschattet in vierzig Jahren das halbe Grundstück. Zehn Meter zur nächsten Mauer sind wenig, nicht viel.

Aus der Eichel ziehen

Eicheln vertragen kein Austrocknen. Sie sind das Gegenteil eines lagerfähigen Samens: Was im Oktober vom Baum fällt, muss innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen in feuchte Erde, sonst ist der Keim tot — und zwar ohne äusseres Zeichen. Eine Eichel, die im Papiersack auf dem Fensterbrett überwintert hat, sieht im Frühjahr aus wie vorher und keimt nicht mehr.

Der Ablauf ist kurz: frisch gefallene, glatte Eicheln aufsammeln, in Wasser legen und die aussortieren, die schwimmen — die sind hohl oder haben einen Bewohner. Die übrigen etwa zwei Fingerbreit tief in einen hohen Topf mit normaler Gartenerde legen, draussen an einer geschützten Stelle überwintern und feucht halten. Im April kommt zuerst die Wurzel und dann der Trieb.

Gegen Mäuse und Eichelhäher hilft ein Drahtgitter über dem Topf; ohne das ist die Aussaat im Frühjahr regelmässig leer. Wer sich den ganzen Schritt sparen will, sucht im Mai unter einem alten Baum: Dort stehen Sämlinge zu Dutzenden, und jeder davon wäre sonst gejätet.

Die ersten Jahre im Topf

Die Eiche treibt als erstes eine Pfahlwurzel, und die will nach unten. Ein hoher, schmaler Topf ist deshalb besser als ein breiter, und nach einem, höchstens zwei Jahren gehört der Sämling ausgepflanzt: Trifft die Pfahlwurzel auf den Topfboden, dreht sie sich, und der Baum trägt diesen Knick sein Leben lang. Gedüngt wird nicht, gegossen nur bei anhaltender Trockenheit.

Ausgepflanzt wird im Herbst oder im späten Winter, solange der Boden offen ist. Ein Verbissschutz aus Draht ist in den ersten Jahren überall dort nötig, wo Rehe oder Kaninchen hinkommen.

Schnitt

Im Grunde keiner. Sie baut ihre Krone selbst, und jeder grössere Schnitt hinterlässt eine Wunde, die sie über Jahre nicht schliesst. Was entfernt wird, ist totes oder gebrochenes Holz, und das am besten im Sommer nach dem Austrieb statt im Winter. Der weisse Belag, der im Spätsommer auf den jungen Trieben liegt, ist Eichenmehltau und schadet einem gesunden Baum nicht.

Was an ihr lebt

Kaum ein heimischer Baum trägt mehr: Hunderte Insektenarten leben an Eichenlaub, Holz und Rinde, dazu die Tiere, die davon leben. Die Eicheln sind im Herbst für Eichhörnchen, Wildschweine und Eichelhäher das, was den Winter entscheidet — und der Eichelhäher ist zugleich der Grund, warum an Stellen Eichen stehen, an denen nie jemand eine gepflanzt hat. Er legt Vorräte an und findet nicht alle wieder.

Eicheln verwerten

Roh sind sie wegen der Tannine nicht geniessbar, und für Weidetiere sind sie in Menge gefährlich. Geschält, mehrfach in Wasser ausgelaugt und getrocknet waren sie jahrhundertelang Mehl und Kaffeeersatz — das ist Arbeit für einen ganzen Nachmittag und eher ein Versuch als eine Ernte.

Zwei Hinweise, die dazugehören

Eicheln und junge Blätter enthalten viel Tannin. Für Hunde, Pferde und Rinder sind sie in Menge giftig; bei Hunden reichen schon wenige gekaute Eicheln für Erbrechen und Durchfall. Wo Pferde oder Rinder weiden, gehört die Eiche ausgezäunt.

Von Mai bis Juli kann der Eichenprozessionsspinner an Eichen auftreten. Seine Brennhaare lösen Hautausschlag, Bindehaut- und Atemwegsreizungen aus, auch ohne Berührung der Raupe — die Haare fliegen. Nester und Gespinste am Stamm nie selbst entfernen, sondern der Gemeinde melden.

AUS DEM BESTAND

Noch eine Rarität bei PlantHub

Diese Art wird bisher von einer Handvoll Menschen dokumentiert. Für Durchschnitte und Verläufe ist das zu wenig — wir zeigen, was ohne Rückschluss auf einzelne Personen geht.

Keine Namen, keine Orte. Gezählt wird nur, was öffentlich steht. Wer eine Pflanze hält und wo sie wächst, erscheint hier nicht — auch nicht mittelbar.

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Fragen zur Stieleiche

Wie ziehe ich eine Eiche aus einer Eichel?

Frisch gefallene Eicheln im Oktober aufsammeln, in Wasser legen und die schwimmenden wegwerfen — die sind hohl oder besetzt. Die übrigen zwei Fingerbreit tief in einen hohen Topf mit Gartenerde legen, draussen überwintern, feucht halten und mit einem Gitter gegen Mäuse sichern. Im April keimen sie. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Eicheln dürfen zwischen Baum und Erde nicht austrocknen — trocken gelagert keimen sie nicht mehr.

Wie unterscheide ich Stieleiche und Traubeneiche?

An den Stielen, und zwar gegenläufig. Bei der Stieleiche hängen die Eicheln an einem langen Stiel, das Blatt sitzt fast ohne und hat am Grund zwei kleine Ohrchen. Bei der Traubeneiche sitzen die Eicheln dicht am Zweig, das Blatt dafür auf einem deutlichen Stiel. Im Zweifel hilft der Standort: Die Traubeneiche steht eher auf trockenen Hanglagen, die Stieleiche auch im schweren, feuchten Boden.

Passt eine Eiche in einen normalen Garten?

Ehrlich gesagt selten. Sie wird dreissig Meter hoch und fast so breit, braucht entsprechenden Wurzelraum und beschattet nach einigen Jahrzehnten alles um sich herum. Für ein Grundstück von wenigen hundert Quadratmetern ist sie zu grosse Zukunft. Wer einen Sämling gezogen hat und keinen Platz dafür, gibt ihn besser weiter — an eine Streuobstwiese, eine Gemeinde, einen Verein.

Wie lange dauert es, bis eine Eiche Eicheln trägt?

Jahrzehnte. Ein freistehender Baum blüht frühestens mit etwa vierzig Jahren, im geschlossenen Bestand noch später, und auch danach gibt es keine gleichmässige Ernte: Auf ein Mastjahr mit voller Krone folgen mehrere mit fast nichts. Wer Eicheln zum Aussäen sucht, sucht deshalb in einem guten Jahr und nicht an einem bestimmten Baum.

Sind Eicheln giftig?

Für Hunde, Pferde und Rinder in Menge ja — die Tannine reizen Magen, Darm und Nieren; bei Hunden genügen wenige gekaute Eicheln für Erbrechen und Durchfall. Für Menschen sind sie roh unverträglich, nicht akut gefährlich: Nach mehrfachem Auslaugen in Wasser wurden sie jahrhundertelang zu Mehl verarbeitet. Kleine Kinder sollten sie trotzdem nicht in den Mund nehmen.

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